Chronik der Soldaten- und Traditionskameradschaft Lettenreuth

Die Gründung des königlich bayerischen Veteranen- und Kriegervereins Lettenreuth fand am 06.01.1885 statt, so weiss es das im Original vorliegende Grundbuch des Vereins zu berichten. Die Geschichte unseres Vereins ist damit eng verbunden mit der Geschichte des Bayerischen Soldatenbundes und mit dem Schicksal der bayerischen Heimat und des deutschen Vaterlandes. Die Gründungsväter waren Veteranen aus den Kriegen 1866 gegen Preußen und 1870/71 gegen Frankreich.

Anwesend waren zu der Gründung des Vereins 22 Krieger aus Lettenreuth und Oberreuth.

Altveteranen des Bruderkrieges Preußen gegen Österreich und Bayern 1866 aus Lettenreuth

Leonhard Ahles

Andreas Schütz

Andreas Sünkel

Veteranen des Krieges 1870/71 zwischen Frankreich und den deutschen Staaten aus Lettenreuth

Johann Klerner
Leonhard Ahles
Andreas Schütz
Heinrich Petschner
Andreas Sünkel

Georg Rebhan
Georg Reuder
Georg Ahles
Georg Sünkel
Thomas Tischer

Der Wahlausschuss, welcher die Wahl zu leiten hatte, wurde durch Acclamation gewählt.

Die Herren Nikolaus Petschner als Wahlkommissär, Johann Knorr als Schriftführer und Andreas Griessinger, Georg Sünkel und Georg Metzner als Beisitzer.

Danach wurde zur Wahl geschritten, wobei sich vor 22 Anwesenden folgendes Wahlresulatat ergab:

Zum ersten Vorstand wurde Thomas Tischer mit 17 Stimmen gewählt, zum Kassier Johann Klerner mit 8 Stimmen, zum Verwaltungsmitglied Heinrich Petschner mit 16 Stimmen, Georg Sünkel mit 14 Stimmen und Leonhard Ahles mit 8 Stimmen.
Als Ersatzmann wurde Georg Metzner mit 6 Stimmen gewählt.

Damit begann die 125 jährige Geschichte der Soldaten- und Traditionskameradschaft Lettenreuth.

Die Statuten des Vereins wurden im Gründungsjahr 1885 festgelegt. So kann man dem Grundbuch als Zweck des Vereins entnehmen:

„Der Verein bezweckt, erforderte gesellige Unterhaltungen in Rückerinnerungen an das Militärleben, Beförderung ehrenhafter Gesinnungen für Ordnung, Sittlichkeit und Treue für Kaiser, König und Vaterland. Ferner, das jedem Mitglied nach seinem Tode ein anständiges Begräbnis zuteil werde.“

Auch der Komplex Aufnahmegebühr und Mitglieds-beitrag wurde genau geregelt. So wurde folgendes festgelegt:

„Jedes Gründungsmitglied hat eine Aufnahmegebühr von 50 Pfennig und einen monatlichen Beitrag von 10 Pfennig an den Kassier zu leisten. Ehrenmitglieder und Invaliden sind von den Beiträgen befreit.“

Angesprochen werden sollte auch eine Passage im Grundbuch des Vereins, der auch in heutiger Zeit wieder Anwendung finden sollte. Zum Thema Teilnahme an der Generalversammlung regelt das Manifest des Vereins:

„Sollte bei einer Generalversammlung wo ein Beschluss notwendig erscheint die Hälfte der Mitglieder nicht anwesend sein, so hat der Vorstand das Recht eine weitere Versammlung anzuberaumen und gegen diejenigen Mitglieder, welche sich ohne genügenden Grund beim Vorstand nicht entschuldigen, eine Ordnungsstrafe von 20 Reichspfennig zu erheben, welche als Strafe in die Vereinskasse fliest.“

Bemerkenswert ist auch die Regelung in den Vereins- statuten, was das Begräbnis von Mitgliedern angeht:

„Der Verein begleitet verstorbene Mitglieder zu Grabe. Bei Beerdigung derjenigen Mitglieder, welche vor dem Feind gestanden waren, werden auf Benehmen mit dem betreffenden Pfarramt Ehrensalven abgegeben. Sämtliche Mitglieder mit Ausnahme der Vorstandschaft tragen nach der Reihe. Ist ein zum Tragen bestimmtes Mitglied verhindert, so muss es ein anderes Vereinsmitglied als Träger selbst stellen.“

Durch das königliche Bezirksamt in Lichtenfels wurde dem Verein – über die Gemeindebehörde Lettenreuth – folgendes mitgeteilt:

„Lettenreuth am 27.01.1885

Von der Gemeindebehörde Lettenreuth an den Veteran- und Kriegerverein alta

Bildung des Vereins
Genehmigung der Statuten betreffend

Im vorbezeichneten Betreff wird im Auftrag des königlichen Bezirksamts Lichtenfels mitgeteilt, dass der Verein und seine Statuten im Hinblick auf Artikel 12 des Vereinsgesetzes einer Genehmigung nicht bedürfe. Die Vorstandschaft ist jedoch verpflichtet, jede Änderung der Statuten und jeder Wechsel der Vorstandschaft der Gemeindebehörde zur Anzeige zu bringen. Von den zwei Exemplaren der Statuten wurde eines in der Gemeinde-registratur, das andere in der königlichen Bezirksamts-registratur aufbewahrt.

Die Gemeindebehörde
Petschner“
(damaliger Bürgermeister von Lettenreuth, Anmerkung des Verfassers)

Bereits am 06. Januar 1891 wurde die Anschaffung einer Fahne für den Verein einstimmig beschlossen.

Bis zur kirchlichen Weihe der neuen Fahne wurden ganze 6 Generalversammlungen abgehalten um die Gestaltung der Fahne abzustimmen und um das Fest optimal zu planen.

Die Weihe des Feldzeichens fand sodann am 05. Juli 1891 durch Curatus Nüßlein statt. Nach dem Gottesdienst in der hiesigen Pfarrkirche zog man im feierlichen Umzug durch den Ort und dann zum Festplatz im Martin Dinkelschen Garten, wo ein Konzert der 1. Ulanen-Regiments-Musikkapelle aus Bamberg stattfand. Als Paten für die neue Fahne konnte man den Krieger- und Veteranenverein Marktzeuln gewinnen und die Festrede wurde von Herrn Lehrer Sonnenberger gehalten.
Am nächsten Tag wurde in der Kirche ein Requiem für die gefallen und verstorbenen Kameraden des Vereins zelebriert.

Ein Artikel aus dem Obermain Tagblatt über die Fahnenweihe ist erhalten und wird aufgrund des interessanten Inhaltes hier mit abgedruckt.

Im Jahre 1904 trat der Verein dem Bayerischen Krieger- bund bei. Die Aufnahmeurkunde ist noch heute ein stolzer Besitz des Vereins und kann im Vereinszimmer des Feuerwehrhauses bewundert werden.

25 jähr. Jubiläum 1910

06.01.1910 Generalversammlung an welcher das 25-jährige vom 11. – 13. Juni 1910 geplant wurde.
Hier wurde bereits die Festmusik für das Jubiläum organisiert, es sollte eine Militärkapelle aus Coburg sein.
Am 21.02.1910 teilte die Musikkapelle mit, dass sie aufgrund eines höheren Befehls ihrer Vorgesetzten nicht spielen dürfen. Coburg gehörte damals zum Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha und Lettenreuth zum Königreich Bayern. Man einigte sich dann auf eine Kapelle aus Bayern „Chevaulegers Regiment“ welche wesentlich teurer war als die Kapelle aus Coburg.

Die Tageszeitung wusste folgendes zu berichten:

„ Lettenreuth, 13. Juni (25 jähriges Jubiläum des Kriegervereins)

Für den gestrigen verregneten Sonntag entschädigte einigermaßen das sonnige Wetter des heutigen Nachmittags. Zahlreich fanden sich auch Festgäste aus nah und fern in dem durch seine idyllische Lage und schmucke Bauart als Festort besonders reizvollen Lettenreuth ein, um in Gottes herrlicher Natur einige Stunden auszuruhen von den Strapazen des Alltages und sich dem Genuss der edlen Musik hinzugeben, welche die Chevaurleger-Kapelle in vorzüglicher Weise spielte. Die humorvolle Rede, welche Herr Kuratus Schmitt auf die Damen hielt, war ganz auf den gemütlichen und heiteren Ton gestimmt, welcher die Festgäste beherrschte und fand daher jubelnden Beifall. Das ganze Arrangement des Festes macht der rührigen Vorstandschaft des Kriegervereins alle Ehre, und auch die leiblichen Genüsse, besonders das gutbekömmliche Bier aus der Langheimer Brauerei, waren dazu angetan, die Feststimmung zu heben.“

Zur Zeit des 1. Weltkrieges wurde von der Wahl einer Verwaltung abgesehen. In den Kriegsjahren 1914 – 1918 büßten 14 Kameraden aus Lettenreuth und Oberreuth ihr Leben ein.

Im Jahre 1920 erfolgte die Einweihung des Kriegerdenkmals an der Kirche, welches vom Bildhauer Scheel aus Altenkunstadt angefertigt worden war. Es waren große Anstrengungen nötig, um die Fananzierung für das Ehrenmal, das fast 9.000 Mark kostete, zu ermöglichen. Georg Zillig, in New York lebend, steuerte eine Spende von 697,50 Mark bei und die Gemeinde 800 Mark, 350 Mark der Gesangverein und Anton Sünkel aus Bamberg 200 Mark.

Sergeant Klerner auf Pferd
Bild Georg Sünkel 14-18

Im Jahre 1921 wurde beschlossen, alljährlich zum Allerseelentag (2. November) der Gefallenen mit Kirchenparade und Seelenamt zu gedenken. Im Jahre 1933 beschloss man, aus dem Bayerischen Kriegerbund auszutreten, weil viele Mitglieder Schwierigkeiten hatten, ihren Beitrag zu entrichten, jedoch wurde von diesem Ansinnen im Jahre 1934 wieder Abstand genommen.

Das 50 jährige Vereinsjubiläum fand am 10. Jun 1935 statt. Nach dem Gottesdienst mit Totenehrung wurde die Feier bei Vereinswirt Joachim Sünkel durchgeführt. Um 12 Uhr empfing man die benachbarten Vereine und die Ehrenmitglieder wurden mit Landauern und weiß gekleideten Festdamen abgeholt. Beim Festzug spielte die Kapelle Schmitt aus Marktzeuln. Verdiente Mitglieder wurden geehrt und bis 19 Uhr herrschte im Festgarten reger Betrieb. Ab 20 Uhr war Festball bei Martin anberaumt.

In diesen Zeiten führte der Kriegerverein auch eine Sterbekasse, um beim Ableben eines Veteranen einen Beitrag für die Unkosten der Beerdigung zu leisten. Diese Sterbegeldkassen waren die Vorläufer des Sozialwerkes unseres Bayerischen Soldatenbundes.

Bis zum Jahre 1943 wurden regelmäßig Versammlungen abgehalten. Bedingt durch den 2. Weltkrieg waren jedoch nur wenige Kameraden anwesend, da etliche an der Front ihren Dienst fürs Vaterland leisteten.

Großes Leid brachte der 2. Weltkrieg über die kleinen Orte Lettenreuth und Oberreuth. 39 Söhne und Väter aus Lettenreuth kehrten nicht mehr aus dem Felde zurück, aus Oberreuth sind 10 Soldaten gefallen. Zu diesen Toten kommen noch 12 gefallene Väter und Söhne, deren Angehörige durch den Krieg und die Vertreibung in Lettenreuth eine neue Heimat fanden.

Im Kriege 1870/71 gegen Frankreich ist gefallen:

Georg Rebhan

Teilnehmer des 1. Weltkrieges 1914 – 1918 aus Lettenreuth und Oberreuth, die gefallen sind:

Georg Sünkel
Simon Klerner
Konrad Sünkel
Moritz Seelmann
Hans Reichelt

Max Friedrich Sünkel
Johann Kaim
Michael Fuß
Johann Georg Kohles
Konrad Seelmann

Simon Georg Kohles
Johann Erhard Klerner
Hans Zillig
Johann Kraus

Teilnehmer des 2. Weltkrieges aus Lettenreuth, die gefallen sind:

Josef Ahles
Hermann Appel
Hans Bähr
Georg Backert
Erhard Fleischmann
Heinrich Fuß
Paul Gack
Franz Klerner
Nikolaus Klerner
Johann Konrad Klerner
Hans Köstner
Georg Josef Kraus
Georg Lutter

Heinrich Reuder
Alfred Sünkel
Baptist Sünkel
Hans Sünkel
Otto Sturm
Andreas Schnapp
Simon Gack
Konrad Ahles
Johann Appel
Karl Backert
Gustav Fleischmann
Georg Fischer
Andreas Fischer

Josef Hofmann
Hans Klerner
Johann Klerner
Georg Köstner
Johann Kraus
Hans Kraus
Anton Oberbeck
Georg Reuder
Hans Sünkel
Heinrich G. Sünkel
Georg Sturm
Erich Scherbel
Otmar Vogel

Teilnehmer des 2. Weltkrieges aus Oberreuth, die gefallen sind:

Jakob Bezold
Heinrich Sünkel
Karl Kremer
Rudolf Bähr

Georg Bähr Konrad Bähr
Georg Petschner Hans Bähr
Gottfried Foyer
Andreas Geiger

Konrad Bähr
Hans Bähr

Soldaten des 2. Weltkrieges, die gefallen sind und deren Angehörige als Heimatvertriebene in Lettenreuth eine neue Heimat fanden:

Rudolf Begoihn
Hugo Irblich
Josef Janda
Richard Machatzky

Paul Sieber
Josef Fertala
Johann Josef Irblich
Eduard Janda

Paul Kluge 
Kurt Schlicht
Hermann Fertala
Walter Dittmann

 

Von 1944 bis 1963 ruhte das Vereinsleben.

Am Sonntag, den 20 Januar 1963 wurden die Kameraden des Krieger- und Veteranenvereins zu einer Versammlung eingeladen. 36 Kameraden waren anwesend. Erster Vorstand wurde Bürgermeister Hans Appel. Der neue Vorstand appellierte an alle Mitglieder, dass man gut zusammenarbeiten möge, um ein Wiederaufblühen des Vereins zu erreichen. Ab 1963 beteiligte man sich alljährlich an der Kriegerwallfahrt nach Vierzehnheiligen. Die Beteiligung an Kriegerfesten in der Umgebung wurde zu einer Ehrensache.

Um die im 2. Weltkrieg gefallenen und vermissten Kameraden zu ehren, wurde im Jahre 1965 das Denkmal an der Kirche erneuert. Die feierliche Einweihung des Ehrenmals war am 14.11.1965. Der bisherige 1. Vorstand Hans Appel wurde im Jahre 1966 durch Andreas Schütz abgelöst. Dem scheidenden Vorsitzenden wurde der Dank des Vereins dafür ausgesprochen, dass er kurz nach der Währungsreform die von den Amerikanern beschlagnahmte Vereinsfahne aus dem Jahre 1891 mit 35 DM zurückkaufte. Hans Appel hat dieses Geld, was kurz nach der Währungsreform ein stattlicher Betrag war, dem Verein geschenkt. Im Jahr 1967 wurde die Vereinsfahne einer Renovierung unterzogen. Nur die Spenden- freudigkeit der Lettenreuther Kameraden hat diese grundlegende Sanierung ermöglicht. 1969 trat man dem Krieger- und Soldatenbund München (dem Vorgänger des heutigen Bayerischen Soldatenbundes) bei.

In den folgenden Jahren hat der Verein eine Vielzahl von Aktivitäten entwickelt. So wurden z. B. Veranstaltungen wie Preisschafkopf, Faschingsveranstaltungen und Weihnachtsfeiern abgehalten. Die Teilnahme am Volkstrauertag ist eine vornehmliche Verpflichtung der Mitglieder des Vereins. Um die Vereinskasse aufzubessern, wurde alljährlich beim Vereinswirt Otto Sünkel ein Gartenfest veranstaltet.

Bereits im Jahre 1984 befasst man sich mit dem 100 jährigen Gründungsfest im Jahre 1985. Es wurde beschlossen, dieses Fest im größeren Rahmen abzuhalten. Die Bildung eines Festausschusses erfolgte. In zahlreichen Sitzungen wurde die Organisation und Durchführung des Festes besprochen.

Man feierte schließlich vom 21. bis 23. Juni 1985 das Jahrhundertfest. Am Freitag war Unterhaltungsmusik mit der Kapelle „Silver-Stars“ angesagt. Am Samstag fand ab 19:30 Uhr der Festkommers mit Ehrungen, musikalisch umrahmt vom Blasorchester Schwürbitz und dem Gesangverein Liederkranz Lettenreuth, statt.

Am Sonntag morgen wurde ein Festgottesdienst mit anschließender Totenehrung am Ehrenmal abgehalten und am Nachmittag konnte man den großen Festumzug durch Lettenreuth bestaunen. Die örtliche Presse wusste auszugsweise folgendes zu berichten: „ Das Wetter meinte es gut mit der Soldatenkameradschaft Lettenreuth. Schönster Sonnenschein überstrahlte den stattlichen Festzug, der sich aus Anlass des 100 jährigen Jubiläums in schier endloser Länge durch die Ortschaft bewegte. Die farbenprächtigen Traditionsfahnen der Vereine wetteiferten mit den duftigen Festroben der Ehrendamen, den weiß-blau geschmückten Rädern der Concorden und der prächtigen Blumenkrone des örtlichen Gartenbauvereins. An der Spitze des Zuges, der von den Musikkapellen Marktgraitz, Schwürbitz, Altenbanz und Teuschnitz schwungvoll begleitet wurde, die sechs Ehrendamen des Jubelvereins, die motorisierten Ehrenmitglieder Georg Raps, Andreas Reuder, Nikolaus Fischer, Baptist Klerner und Alois Schönberger und schließlich die Honoratioren: Otfried Engel, Vizepräsident des Deutschen Soldaten- und Krieger-bundes in Bayern und Bezirksvorsitzender von Oberfranken, Kreisvorsitzender Udo Rudel, Landrat Ludwig Schaller, Bürgermeister Herbert Perzel mit den Gemeinderatsmitgliedern. Es folgten die Mitglieder des gastgebenden Vereins mit 1. Vorsitzenden Alfred Irblich an der Spitze.“

49 Vereine und Verbände haben an dem großen Festzug teilgenommen und viele Bürgerinnen und Bürger von Lettenreuth können sich sicher noch an das Jahrhundertfest des Vereins erinnern.

Mit der Wahl des jungen Erich Irblich zum Vorsitzenden im Jahre 1986 konnte man zuversichtlich in die kommenden Jahre blicken. Mit viel persönlichem Einsatz wusste es Kamerad Irblich den Verein umsichtig zu führen.

An der 700 Jahrfeier von Lettenreuth im Jahre 1990 nahm die Soldatenkameradschaft mit einer stolzen Gruppe von 10 Mann in Uniformen der Landsknechte des 16. Jahrhunderts und 4 Marketenderinnen teil. Beim historischen Festzug am 22. Juli haben 21 verschiedene Gruppen und Wagen die 700 jährige Geschichte des Ortes anschaulich dargestellt.

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Vereins war das 100 jährige Fahnenjubiläum im Jahre 1991. Am 15. 06.1991 wurde das Fest unter der Schirmherrschaft des damaligen 1. Bürgermeisters von Michelau, Kameraden Herbert Perzel, im kleineren Rahmen in der Kulturhalle abgehalten. Die Veranstaltung wurde von der Blaskapelle Schwürbitz hervorragend umrahmt und zahlreiche Mitglieder konnten für ihre Verdienste geehrt werden.

Nach dem Rücktritt von Erich Irblich als Vorsitzender des Vereins im Jahre 1992 übernahm Andreas Lutter das Ruder und musste den Verein durch einige stürmische Jahre steuern und es wäre fast zur Auflösung des traditionsreichen Vereins gekommen. Dem Engagement des Kameraden Erich Irblich ist es zu verdanken, dass am 29.01.1995 eine neue Vorstandschaft gewählt werden konnte. Bei dieser Versammlung hat sich Kamerad Irblich auch wieder als 1. Vorsitzender zur Verfügung gestellt.

Am 14. Oktober 1995 konnte man im kleinen Rahmen im Sportheim von Lettenreuth das 110 jährige Jubiläum des Vereins begehen. Vorsitzender Erich Irblich bezeichnete damals Gerichtsurteile, in denen Soldaten als Mörder angeprangert wurden, als Unverschämtheit. Diese Aussage hatte damals auch in der heimischen Presse für Aufmerksamkeit gesorgt.

Die Schießmannschaft des Vereins konnte und kann bis heute beachtliche Erfolge verbuchen und so hat man erstmals im Jahre 1998 eine Vereinsmeisterschaft im Luftgewehrschießen auf den Ständen der Kameraden aus Trieb durchgeführt. Dieses Schießveranstaltung ist bis heute ein wichtiger Bestandteil im Jahresablauf der Kameradschaft.

Bereits im Jahre 1998 hat man sich mit dem Thema der Anschaffung einer neuen Fahne befasst. Das alte Feldzeichen von 1891 war in die Jahre gekommen und man wollte dieses unbedingt für die Nachwelt erhalten. Daher hat man beschlossen, bei der Firma Fahnen Meindl eine neue Standarte zum Preis von rund 6.000 DM zu beschaffen. Federführend bei der Beschaffung und Gestaltung der Standarte war 1. Vorsitzender Erich Irblich. Die feierliche Weihe des neuen Feldzeichens sollte im Jahre 2000 stattfinden.

Ein schwerer Schlag für den Verein war der Tod unseres langjährigen und hochverdienten Vorsitzenden Erich Irblich am 24.01.2000. Nur wenige Tage nach der Jahreshauptversammlung ist Kamerad Irblich seiner schweren Krankheit erlegen.

Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 18.02.2000 wurde Manfred Sünkel zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Am 20. Mai 2000 wurde das 115 jährige Vereinsjubiläum verbunden mit der Weihe der neuen Standarte gefeiert.
Nach einem Festgottesdienst mit Totengedenken am Ehrenmal konnte man unter großer Teilnahme der Bevölkerung in der Kulturhalle eine eindrucksvolle Festveranstaltung erleben. Zur Unterhaltung spielte die Blaskapelle Schwürbitz auf und eine stattliche Anzahl von hochrangigen Ehrengästen füllte den Saal. Die Festredner Otmar Raab (Stellv. Bezirksvorsitzender des BSB Oberfranken) und Udo Rudel (Kreisvorsitzender BSB Lichtenfels) stellten die Bedeutung einer Fahne und Standarte heraus und gaben zu bedenken, dass dieses Vereinssymbol bei erfreulichen Ereignissen wie Jubiläen und Hochzeiten aber auch bei traurigen Ereignissen wie etwa Beerdigungen und dem Volkstrauertag mitgeführt wird. Daher sollte man immer Achtung vor der Standarte haben und treu zur Fahne stehen.

In den nachfolgenden Jahren nahm die Soldaten-kameradschaft Lettenreuth aktiv am Vereins- und Verbandsgeschehen teil. Die Schießmannschaft konnte hervorragende Erfolge verbuchen und auch im karitativen Bereich setzt sich der Verein stets ein. Die Sammlung für den Volksbund Deutsche Kriegsgräber-fürsorge ist ein fester Bestandteil der Arbeit des Vereins geworden. Seit dem Jahre 2001 führt der Verein alljährlich ein Sommerfest mit Siegerehrung der Vereins- und Ortsmeisterschaft im Luftgewehrschießen im und am Vereinheim des Kleintierzuchtvereins Lettenreuth durch. Diese Veranstaltung wird stets von der Ortsbevölkerung gut besucht und viele schöne Stunden konnten dort verbracht werden. Nachdem man mit einem enormen Mitgliederschwund zu kämpfen hatte (die Mitgliederzahl war auf 54 Personen zurückgegangen), wurde begonnen, offensiv für den Verein zu werben. Daraufhin konnte man etliche Damen und Herren als Mitglieder in den Verein aufnehmen. Aufgrund der hervorragenden europaweiten Kontakte von Schriftführer Sven Dietel ist es auch gelungen, eine stattliche Anzahl von Mitgliedern aus dem Bereich von befreundeten Traditionsträgern aus dem Ausland für den Verein zu gewinnen. Die Mitgliederzahl ist sodann auf 75 angestiegen, worauf die Vereinsführung sehr stolz ist. Vor den Feierlichkeiten zum 125 jährigen Bestehen im Jahre 2010 hat man sich darauf verständigt, den Vereinsnamen zu ändern und zwar in Soldaten- und Traditionskameradschaft Lettenreuth. Durch diese Änderung des Vereinsnamens trägt man dem Umstand Rechnung, dass der Verein mittlerweile eine stattliche Anzahl von Frauen und ungedienten Personen als Mitglieder hat. Diesen will man unter dem Begriff der Traditionspflege eine Heimat im Verein bieten.

Die Vorstandschaft des Vereins setzt sich im Jubiläumsjahr wie folgt zusammen:

1. Vorsitzender
2. Vorsitzender
Schriftführer
Schatzmeisterin
Schießsportbeauftragter
Pressewart
Beisitzerin
Beisitzer
Beisitzer
Ehrenbeisitzer

Manfred Sünkel
Bernd Wenzel
Sven Dietel
Katja Dietel
Erhard Tischer
Marcus Sachs
Sonja Tischer
Peter Bieberstein
Franz Garbarek
Werner Machatzky

Zu dem Festabend am 24.07.2010 begrüßte der Verein eine stattliche Anzahl von Gästen aus dem Gemeindegebiet von Michelau und dem Landkreis Lichtenfels aber auch von Traditionsverbänden aus dem In- und Ausland. Diese Veranstaltung hat dazu beigetragen, dass die Pflege der militärischen Tradition über die Ländergrenzen hinweg weiterhin wächst und gedeiht und dieser Abend mit dem Großen Zapfenstreich wird der Bevölkerung von Lettenreuth und Oberreuth in guter Erinnerung bleiben.

In den Folgejahren fand eine reges Vereinsleben statt. Die STK Lettenreuth hat an vielen Veranstaltungen im BSB Kreisverband und auch auf Bezirks- und Landesebene teilgenommen. Zahlreiche Fahrten zu den befreundeten Verbänden in Österreich folgten. Im Jahr 2015 hat man im kleineren Rahmen in der Kulturhalle das 130 jährige Bestehen des Vereins gefeiert.

Nach der Anschaffung einer Lichtpunktschießanlage konnte der Verein eine Jugendgruppe etablieren und es finden monatliche Kameradschaftsabende mit Übungsschießen in der Kulturhalle in Lettenreuth statt.
Die jährliche Vereinsmeisterschaft im Lichtpunktgewehrschießen ist bei den Mitgliedern im In- und Ausland ein Höhepunkt des Vereinsjahres.

Nachdem die Corona-Pandemie das Vereinsleben zum Erliegen gebracht hatte konnten wir danach mit neuem Schwung und Elan ins Vereinsleben starten.

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